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Kurzer Prozess, kein ganz kurzer Prozess (Review)

Ein schwieriger Film, der in eine schwierige Materie eintaucht. Ein Film, der sicherlich nicht die Erwartungen erfüllt, die man an Robert de Niro und Al Pacino, nach vielen Action-Thrillern im Gangster-Metier, stellt. Aber ein Film, der dies genau nicht ist: ein Action-Thriller. Natürlich kommt in dem Film auch Action vor, aber dieser Film ist vor allem eines: ein Thriller mit Drama. Und als solcher funktioniert er, mal abgesehen von der im Endeffekt doch etwas dünnen Geschichte, sehr gut und diese ist, meiner Meinung nach, hervorragend erzählt und umgesetzt.

»Kurzer Prozess« (Righteous Kill) erzählt die Geschichte von zwei alt-gewordenen Cops aus New York, die langsam aber stetig dem Ende ihrer Karriere entgegen gehen, dies aber noch nicht wirklich wahrhaben wollen. Sie machen ihren Job gut, sind Partner fürs Leben und verkörpern das »Guter Bulle, böser Bulle«-Bild wie es lange nicht mehr zu sehen war. Zwei Badass-Cops wie sie im Buch stehen. Aber alles meist noch im Rahmen des Gesetztes, bis sie eines Tages miterleben müssen, wie ein Kindermörder wegen nicht ausreichender Beweislast auf freien Fuß gesetzt wird. An diesem Punkt platzt dem Cop Turk (Robert de Niro) der Kragen und er beschließt zusammen mit seinem Partner Rooster (Al Pacino) die Beweislast zurecht zu drehen und die Gerechtigkeit siegen zu lassen: Dank einer, dem Kindermörder untergeschobenen Waffe, bringen sie ihn dennoch ins Gefängnis. Und an diesem Punkt verändert sich die Beziehung der beiden Partner nachhaltig …
Einige Zeit nach dieser Tat der beiden Cops beginnt ein Serienmörder Selbstjustiz auszuüben und tötet Zuhälter, Dealer und Kinderschänder, an die das Gesetz so nicht herankommt. Und der Verdacht fällt alsbald in die eigenen Reihen, auf den unbequemen Detective Turk.

Der Film zeigt keinen eiskalten de Niro, der berechnend seine Coups plant. Der Film zeigt auch keinen aalglatten Pacino, der als großer Gangsterboss Karriere macht. Der Film zeigt zwei alte Cops am Ende ihrer Karriere, kurz vor der Pensionierung: Alt, ausgebrannt, mit einem Leben, das nur auf den harten Job fixiert ist, ohne wirkliche Hobbys oder Familie. Und so stehen Robert de Niro und Al Pacino auch vor einem auf der Leinwand: Zwei alte Männer, jenseits der 60 (die ja beide mittlerweile weit überschritten haben!), vom Leben und der Arbeit gezeichnet, gebrochen und ein bisschen Fett geworden. Also das genaue Gegenteil vom Archetyp des dynamischen, fitten Profi-Gangsters vom Format eines Neil McCauly (Heat) oder Tony Montana (Scarface).
Aber das ist eigentlich auch nicht wirklich schlimm, denn das beide, Al Pacino und Rober de Niro, mehr drauf haben als gerissene Gangster zu verkörpern, haben beide oft genug bewiesen. In »Kurzer Prozess« spielen beide Cops, die ihre besten Jahre hinter sich haben, aber sich lange noch nicht in die Pension abschieben lassen wollen. Und das bringen beide, meines Erachtens, auch sehr gut ‘rüber: Sie spielen die Rollen von Männern in ihrem Alter, die vom Leben gezeichnet sind und einige grobe Ecken und Kanten aus vielen Jahren in einem rauen Job haben.

Spoiler! Achtung, folgender Absatz wird einem das Filmvergnügen vollkommen versauen!
Selten, wirklich selten, habe ich einen so gut inszenierten Krimi gesehen: Der Verdacht, dass Detective Turk der Serienmörder ist, wird perfide gelegt und gepflegt. Er verhält sich so, wie man es von einem Mann erwarten würde, der Angst hat erwischt zu werden. Bis kurz vor Schluss wird dem Zuschauer weiß gemacht, er wüsste wer der Mörder ist. Die Indizien sind klar und alles deutet, mit dem vermeintlichen Geständnis von Turk zu Beginn des Filmes, darauf hin, dass nur einer der Täter sein kann: Detective Turk. Aber all das täuscht fast den gesamten Film über den wahren Täter hinweg, dessen Offenbarung mich hat Baff aus dem Kino-Sessel gucken lassen: Sein Partner Rooster, der den ganzen Film über eher den Eindruckt erweckte, als wolle er Turk mit seinen Taten decken, ist der Serienmörder.
Rückblickend betrachtet allerdings wird klar, dass Turks nervöses Verhalten auf seinen unruhigen, impulsiven Charakter zurückzuführen sind und nicht darauf, dass er nach Feierabend Morde begeht. Und rückblickend wird ebenfalls klar, dass Detective Turk wirklich keine Ahnung hatte, wer der Mörder ist und die Ermittlungen nicht absichtlich in die Falsche Richtung gelenkt hat, sondern einfach, weil er es in dem Moment für eine mögliche Spur hielt.
Auch wenn der Aufhänger der Geschichte »Polizist tötet Verbrecher, weil er sie mit dem Gesetz nicht kriegen kann« sicherlich nicht der neuste ist, so finde ich die Umsetzung, aufgrund dieser überraschenden Wendung und der wirklich perfide gelegten falschen Fährte für die Zuschauer, dennoch grandios. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen war das Ende und der wahre Täter nicht absehbar! Und das dies so konsequent umgesetzt wurde ist definitiv ein großes Plus für diesen Film. Natürlich ist diese Wendung beim zweiten mal gucken (oder nach dem lesen dieses Spoilers) nicht mehr ganz so dramatisch, aber beim ersten mal ist sie eine riesen Bombe die Platzt.
Spoiler-Ende!

Wer mit der Erwartung eines Gangster-Thrillers à la »Heat« ins Kino geht wird ganz klar enttäuscht! Denn das ist dieser Film nämlich genau nicht! Und wer ihn daran misst, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Aber wer sich auf die gut erzählte, wenn auch etwas maue Geschichte und die gut ausgearbeiteten Charaktere einlässt und den Film als das nimmt, was er ist (nämlich ein »Krimi-Thriller«-Drama-Mix), der kann auch viel Freude an dem Film haben und mit einer interessanten Geschichte über Gerechtigkeit und Selbstjustiz rechnen.

Mein Fazit, nach einigem grübeln und erörtern meiner Gedanken: 7 von 10 Sternen.


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