1 ½ Ritter, nicht mal 1 ½ Sterne … (Review)

… aber auch nur gerade noch, weil es eine so gute Überschrift ergibt. Und weil der Soundtrack recht cineastisch klang – wenn man über »New Kids On The Block« und der starke Anlehnung des Soundtracks, an den von einem erfolgreichen Fledermausmann-Film dieses Jahres, absieht.
Ich ging ohne Erwartung in diesen Film und ich wurde enttäuscht. Ich wusste, dass der Film nichts (großes) werden würde und dass es mehr ein seichter Fernsehfilm für die ProSieben-Primetime in einer schwachen Sende-Periode wird. Ich war trotzdem drin, aber eigentlich mehr, um mit meinen Freunden mal wieder etwas gemeinsam zu machen. Eigentlich habe ich von Til Schweiger-Filmen seit seinem Regie-Debüt »Der Eisbär« relativ viel gehalten. Barfuß, den ich leider noch nicht gesehen habe, soll ziemlich gut sein. Keinohrhase hat mich auch irgendwie begeistert, aber 1 ½ Ritter ist leider eine volle Enttäuschung. Selbst für Til Schweiger.
Der Film setzt größtenteils auf Witze und Gags aus anderen großen Filmen wie »Helden in Strumpfhosen« oder »Die Ritter der Kokosnuss«, ohne dabei eigene Ideen und Elemente unterzubringen. Der Film ist keine wirkliche Satire wie die Filme von Melbrooks oder Monty Phyton, er ist auch keine authentische Inszenierung. Er ist meiner Meinung nach auch keine wirkliche Komödie, denn das wäre eine Diffamierung aller guten Komödien. Der Film ist eigentlich nur eine sanft vor sich hin fließende Anreihung von absehbaren Gags, und wie der Film ausgeht ist im Grunde schon vor Filmbeginn klar oder aller, aller spätestens nach der ersten großen Szene bei dessen Ende die hinreißende Herzelinde dem tapferen Ritter Lanze, der natürlich ihr unterstellter persönlicher Wachmann ist, einen schmachtvollen Blick zu wirft.
Schade ist, dass der Film sein Universum – das Mittelalter-Setting – nicht ernst nimmt und die damit gegebenen Möglichkeiten nicht ausschöpft. Sicherlich war dies bei anderen Filmen, wie etwa »Helden in Strumpfhosen«, auch nicht besser, aber sie sind wenigstens mehr auf ihr Universum eingegangen und haben nicht versucht alles krampfhaft aus dem Mittelalter ins Lächerliche zu ziehen und immer neuzeitliche Elemente einzubringen. Was ich meine spiegelt die Szene beim Abendessen nach den Ritterspielen sehr gut wieder: Ein Diener lehnt sich zum König und flüstert (natürlich kann es die ganze Abendgesellschaft bei Tische hören): »Die Prinzessin ist unpässlich«. »Unpässlich?«, fragt der König halblaut darauf und es tritt eine betretende Stille ein, »Unpässlich, was für ein lächerlich altmodisches Wort, nicht?«. So der klägliche Rettungsversuch des Königs.
Die mauen Witzeleien ziehen sich so durch den Film, einzelne kleine Lichtblicke gibt (à la: »In Zukunft könnte dieses Land sogar von einer Frau regiert werden, die die selbe dämliche Frisur hat, wie du Lanze.«), aber im großen und ganzen leben die Lacher von den komisch anmutenden Kampfszenen die mit allerlei übertriebenen Quietsch- und Schlaglauten untermalt sind. Und das ist wirklich traurig. Es ist traurig, wenn die größten Pointen eines Films darin liegen, wie jemand ein paar auf die Mütze bekommt.
Zudem hingt es ab und an sehr bei der Logik des Films und man wundert sich zwischen durch doch sehr, dass der Film noch nicht vorbei ist und er satte 115 Minuten läuft! Nach der sich recht langsam aufbauenden Geschichte werden gegen Ende die Ereignisse so schnell abgespult, dass es zu ein paar großen, logischen Lücken kommt: Beispielsweise nachdem sich die beiden Helden lange durch die Welt gekämpft haben um den ominösen Schwarzen Ritter zu finden, werden sie, nach der Rückkehr ihrer erfolglosen Reise, darauf hingewiesen, den Schwarzen Ritter doch vielleicht über den Schmied seiner Rüstung ausfindig zu machen. Und siehe da, Ruck-Zuck, kein Problem, in der nächsten Szene kommen die beiden Protagonisten in eine Schmiede-Werkstatt rein und der Schmied liegt ermeuchelt, zusammen mit einem anderen Bösewicht, tot am Boden. Somit ist die Sachlage klar: Das war der Schmied des Schwarzen Ritters. Also … warum nicht gleich so, wenn es doch so einfach war, den Schmied zu finden?!
Die Besetzung des Films ist sicherlich für einen deutschen Film top, auch wenn viele zu sehen sind die ihre Nase in jede sich bietende Filmkamera halten: Til Schweiger, einer der bis dato Vorzeige- und auch Charakterschauspieler aus Deutschland; Rick Kavanian, der Anscheint mittlerweile in keiner deutschen Komödie mehr fehlen darf (Ächtz!); Dieter Hallervorden, in einer kleinen Szene als Pferdeverkäufer zu Gast und für mich persönlich ein großer Komiker meiner Kindheit und in diesem Film sicherlich mit seiner unverfälschten Art ein Lichtblick; Thomas Gottschalk, als der alleinerziehender König, der mit seiner post-pubertären, aufständischen Tochter und mit ungehorsamen Personal zu kämpfen hat, der als König eine ganz gute Figur macht, aber trotzdem leider absolut austauschbar ist.
Und Roberto Blanko taucht auch mal wieder in einer Komödie dieser Klasse auf und muss mal wieder für einen mauen Farbigen-Witz herhalten. Traurig!
1 ½ Ritter, ein Film der Auszog um ein deutsches Pendant zu »Helden in Strumpfhosen« zu werden, schon am Anfang kläglich scheitert und als bessere Mittwoch-Abend ProSieben- oder Sat1-Produktion endet. Warum dieser Film nicht schon auf dem Weg der Entstehung vom grausamen Drachen der Unterfinanzierung gefressen wurde ist mir ein Rätsel. Guckt ihn euch nicht an. Wartet lieber bis er in einem guten Jahr bei den Privatsendern ‘rauf und ‘runter genudelt wird. Denn dafür wurde er gemacht. Leider.
This is the end …
Ein Kommentar
Jan D. am 30. Dezember 2008 um 11:35 Uhr:
Da kann ich dir in keinster Weise widersprechen.
“Wartet lieber bis er in einem guten Jahr bei den Privatsendern ‘rauf und ‘runter genudelt wird. Denn dafür wurde er gemacht.” wie wahr, wie wahr…
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